Freut Euch, ihr Ukrainer – auf blühende Landschaften wie in Spanien oder Griechenland


eingestellt von Peter Christian Nowak 

Austeritätsprogramm – auch für die Ukraine. Möglicherweise wissen die „europaphilen“ Ukrainer nicht, was da auf sie zukommt. Dabei genügte schon ein schweifender Blick in Richtung Südeuropa: da finden nämlich täglich Massenproteste gegen die Verarmungspolitik von EU und Internationalen Währungsfond (IWF) statt. Das sind also die Segnungen der Neoliberalen, die euch Wohlstand und Freiheit versprechen, wenn ihr nur das tut, was sie euch sagen, liebe Ukrainer!
Statt Wohlstand – barmherzig´s Süppchen aus Suppenküchen, gespendet von barmherzigen Brüdern und Schwestern aus dem paradiesischen Westen Europas!
Diese ewige Suppenesserei ist auf Dauer wenig abwechslungsreich. Und außerdem bekommt man auf die Dauer noch Durchfall. Ein ziemlich unbefriedigender Zustand.
Also, unterm Strich kann man jetzt schon vorhersagen, wie eure wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungen baldigst aussehen, wenn ihr euch vom europäischen und amerikanischen Großkapital vereinnahmen lasst!
Aber es besteht vielleicht Hoffnung. Merkel ist schließlich die mächtigste Frau der Welt, von der man allseits aus internationalen und berufenen Mündern hört, dass sie so ziemlich alles wuppen kann, was zu wuppen ist.

Wir stemmen so ziemlich alles, was in Europa so alles ansteht, besonders das, was mit dem Finanziellen zusammenhängt – und wir Deutsche sind glücklich darüber, dass wir ansonsten keine internen Probleme haben, die wir zu bewältigen hätten.

Zum Beispiel fallen Straßen und Brücken auseinander, die Kloos in den Schulen sind so beschaffen, dass man am besten nach draußen zum Pinkeln geht. Die Städte pleite sind, weil wir in unserer typisch altruistischen Weise, wie es eben unsere Art ist, die Armen aus Rumänien und Bulgarien und anderen armen Ländern vorbildlich mit Essen und Trinken versorgen, auch wenn sie nur zum Anschein arbeiten. Und wir geben ihnen Wohnung, weil wir als Deutsche zur Zeit überhaupt keine Probleme haben, eine preisgünstige Herberge auf dem Wohnungsmarkt zu finden.

Langzeitarbeitslose finden zwar keine Jobs, weil die EU beschlossen hat, dass wir doch arme Arbeitssuchende aus Osteuropa importieren sollen und müssen. Aber dafür haben wir ja das Hartz IV, womit unsere Arbeitslosen üppig leben können.

Ein Land wie die Ukraine braucht Unterstützung. Kein Problem! Sollt ihr haben! Da werdet ihr euch drüber freuen!

Angesichts eines riesigen Leistungsbilanzdefizits und austrocknenden Kapitalmärkten müssen zunächst die notwendigen Importe finanziert werden, ohne die ein wirtschaftlicher Zusammenbruch droht.

Aber nein – ein Zusammenbruch! Das wird Europa, bzw. Deutschland aber zu verhindern wissen! Das wallte unser Herrgott.
Aber: Welche Importe notwendig sind, das ist eine sehr schwierige Frage. Das müssen wir erst mal klären: Länder wie die Ukraine, die rasch und zu Bedingungen (freier Kapitalverkehr, überbewertete Währung) dem Weltmarkt geöffnet, bei denen Devisen für den Import von allem Möglichen verwendet wurden, müssen lernen, mit weit weniger Importen auszukommen. Der beste Weg herauszufinden, welche Importe wirklich notwendig sind, ist eine kontrollierte Abwertung der Währung. Wenn Importe teurer werden, importiert ihr einfach keine deutschen Tortenböden mehr. Und eure Bäcker haben mehr Umsatz.

Nun hat eure Währung schon um einiges abgewertet, weswegen es entscheidend ist, durch Lohnstückkostenvergleiche herauszufinden, wie viel Abwertung insgesamt notwendig ist, um einigermaßen normale (also ausgeglichene) Verhältnisse im Außenhandel auf mittlere Sicht herzustellen.

Sodann nehmen wir mal die Stabilisierung des Wechselkurses in Augenschein, um für die in- und ausländischen Unternehmen Planungssicherheit zu schaffen. Und bei dieser Stabilisierung kann und muss die Europäische Zentralbank (EZB) helfen. Das ist mindestens so wichtig wie die zwischenzeitliche Kreditgewährung zur Finanzierung der wichtigsten Importe.

Daneben braucht das Land eine Stabilisierung der Binnennachfrage. Die Binnennachfrage, müsst ihr wissen, darauf legt Merkel anscheinend nur mittelprächtig großen Wert. Sie sagt, wir sind Exportweltmeister und wir Deutsche haben viel Geld. Wir, gemeint sind wir, das Volk, wir haben viel Geld. Wir sind sozusagen reich. Nur merkwürdig, irgendwie kommt der Reichtum in Deutschland nicht so richtig in Gang. Jedenfalls nicht für uns Normalbürger. Und man fragt sich, ob wir Deutsche zwar gerne kaufen würden, aber uns entgegen der Propaganda der neoliberal orientierten Mainstream-Medien

CDU-Parteitag: Merkel droht Putin mit Wirtschaftssanktionen

vielleicht doch das nötige Kleingeld zum Shoppen fehlt.
Unsere mächtigste Frau der Welt sagt ja immer, dass es uns Deutschen noch nie so gut gegangen ist wie jetzt, die Beschäftigung noch nie so hoch war wie jetzt, und dass Deutschland daher eine besondere Verpflichtung hat anderen Ländern, denen es schlecht geht, zu helfen.

So ein Satz, der geht wie warmes Öl über die (Arsch)Backen und schafft Raum zur Kontemplation über unser Dasein. Eine Weisheit zu unser aller Erkenntnis, dass wir Deutsche zu hasenfüßig sind, zu ungläubig, vielleicht zu realitätsfern, um der Wahrheit mutig ins Auge zu blicken.

Was sind wir doch für ein egomanes Volk, das nur das eigene Wohlbefinden im Blick hat!

Was interessieren uns noch die prekären Beschäftigungen, die niedrigen Löhne, die Generation Praktikum, gemeint ist unsere wohlstandsgierige Jugend, wenn alle Konzentration aufs eigene Ungemach dazu führt, die Not anderer Länder nicht zu beachten.

Darüber hinaus genießen wir den beachtlichen Vorteil, dass man bei Geldmangel am besten das körperliche Übergewicht kontrollieren kann und somit was für die Fitness tut.
Die EU und der IWF sagen, ihr Ukrainer sollt auch abspecken. Und zwar im öffentlichen Dienst. Das nennen die Neoliberalen Stabilisierung der Lohnentwicklung. Das soll euch nach Meinung von EU, der EZB und IWF gut tun. Als nächstes wird man euch die Löhne senken. Und dann tut ihr auch was für eure Fitness – willkommen im Fitnessklub der Europäischen Union! Ach ja, und die Energiepreise, die sind viel zu niedrig. Rauf damit! Temperaturkontrolle mittels offenen Fenstern Video abspielen...

in den Wohnstuben – ist nicht! Denkt an die globale Erwärmung!

In Deutschland hört man, ihr Ukrainer seid extrem verunsichert, weil euch Arbeitsplatzverlust und Lohnkürzung drohen. Nun euch auch noch weit höhere Energiepreise aufzwingen zu wollen, sei eine Zumutung!

Nun, bei uns ist das schon seit langem die Regel, weil wir ganz tolle Politiker haben, die die Energiewende so managen, dass bei sinkenden Strompreisen die Preise für uns Privatkunden dennoch steigen. Wir sehen das ganz entspannt als Beitrag für eine gute Sache, nämlich die Energiewende zu finanzieren und gleichzeitig was für den Umweltschutz tun zu dürfen. Auch die Gaspreise steigen im unerbittlichen Takt eines Metronoms, woran wir uns gerne gewöhnt haben. Wenn ihr steigende Gaspreise als ein Programm zur politischen Radikalisierung seht, seid ihr schlecht erzogen, weil nicht umweltbewusst. Und Massenarbeitslosigkeit, die haben wir schon lange! Also, nun reißt euch mal am Riemen!

Eine Frage: gibt es bei euch noch so etwas wie Gewerkschaften? Na, da kommt doch mal ins Gespräch mit denen! Und Produktivität und Löhne hängen ja doch irgendwie zusammen. Vielleicht gibt es ja bei euch noch sowas wie Produktivität und es lässt sich dadurch eine gewisse Stabilität in der Lohnentwicklung ableiten. Genau das wäre dann auch die notwendige Rückversicherung für die EZB, dass eine Stabilisierung des Wechselkurses nicht unhaltbar wird.

Eine Rezession, wie sie in den Südländern stattfindet, ist nicht so das Gelbe vom Ei, vernichtet Arbeitsplätze und ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv.
Aber ich sehe schon die Fittiche des neoliberalen Rettungsschirms am Horizont der Ukraine auftauchen – mit der neoliberalen Agenda im Gepäck! Da sind so schöne Schlagworte drin wie „Flexibilisierung“ des Arbeitsmarktes, oder so´ne wie „Umstrukturierung“ der Wirtschaft, „Hauptsache Arbeit“ und der vielen schönen Dinge aus dem Katechismus neoliberaler Strippenzieher mehr.
„Es droht das wirtschaftliche und politische Chaos“, sagen gutmeinende Stimmen aus Expertenkreisen der Wirtschaftswissenschaften. Und weil ihr Ukrainer pleite seid, müssen eure Finanzen in Ordnung gebracht werden. Die Staatsfinanzen kann man aber erst dann sanieren, wenn die private Wirtschaft wieder läuft. So ist das nun mal.  Nix dran zu ändern!

Stattdessen nimmt man jetzt schon wieder das Wort „Austerität“ in den Mund, und eure Schutzheiligen aus dem Westen plaudern munter drauf los. Sie sagen, dass Sparen im Schwabenländle schon immer zum „Höislebaue´ geführt hat. So spricht jedenfalls unsere Mutti Angela. Und weil Sparen eine herrliche Perspektive auf die Zukunft bietet, möchte ich dennoch etwas Wasser in den Wein kippen, um euch Ukrainer – mit Verlaub – einen alkoholfreieren Blick zu ermöglichen – den für Ursache und Wirkung zum Beispiel. Und um den Fokus zu erweitern in Richtung Spanien, Griechenland, Portugal, usw. usw.
Na, was seht ihr da?
Und was lernt die EU daraus?

Wenn der Westen inklusiv die USA die Ukraine für so wichtig hält, wie sie öffentlich demonstrieren, müssten sie doch alles daran setzen, eine Situation wie in Südeuropa, wo sich die Politik immer stärker nach rechts radikalisiert, zu vermeiden. In der Ukraine bedeutet eine wirtschaftliche Katastrophe aber unmittelbar, dass man Russland in die Hände spielt, das nur darauf zu warten braucht, bis ihm auch der Rest der Ukraine vor die Füße fällt.

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Na dann, Herr Putin, einfach abwarten und (russischen) Tee trinken!

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